Die 5-Klick-Tourenplanung

Feedbackforderung bei Komoot

Ich muss nach jahrelanger Nutzung einfach mal Komoot loben. Eine deutsche Softwareschmiede (für Freizeit-Routenplanung und -begehung im Web und als App) die nicht nur innovativ sind sondern auch Kundenfeedback wirklich ernst nehmen. Vor einiger Zeit habe ich dort eine Idee eingereicht die dann (gemeinsam mit ähnlichen Ideen) auch tatsächlich ins Produkt eingeflossen ist.

Inzwischen ist die Routenplanung auch einfacher denn je: Kartenmaterial von OpenStreetMaps wird von Komoot aufbereitet und man kann innerhalb weniger Klicks eine neue Strecke zusammenklicken. Start, 2 Zwischenziele, Rundtour, speichern. Also fünf Klicks und ich hab die Tour auf dem Handy inklusive Tracking und bei Bedarf Sprachnavigation.

Tourerstellung

Tourerstellung bei Komoot

Aber was mir nicht gefällt: das Höhenprofil (im Bild eins drüber). Ich habe stets das Gefühl dass das Profil zu lasch aussieht. Nachgemessen hat Komoot eine Überhöhung von 1,5, während Gipsies mit einer Überhöhung von 3 schon wesentlich dramatischer aussieht. In der Wikipedia wird übrigens von 5- und 10-facher Überhöhung in Höhenprofilen gesprochen. Das wiederum sähe dann für mich dann eher nach Kletter- statt Bergtour aus ;)

Gleiche Tour, Höhenprofil bei GPSies

Diese Kurztour im Wilden Kaiser kommt übrigens noch in meine Tourenübersicht. Am Samstag dient sie erstmal nur der Vorbereitung zur Besteigung des Großvenedigers in drei Wochen.

 

Islay – eine torfige Reise

Dieser Artikel wurde leider etwas länger als beabsichtigt – hier eine Abkürzung für alle Lesefaulen ;) Bildergalerien Islay Tour.

Sind wir schon da?

Fähre nach Islay

Fähre nach Islay.

Die Anreise nach Islay sollte man nicht unterschätzen. Die ersten 214km bis zum Frankfurter Flughafen sind morgens auf der A3 noch kein Problem und in 1:30 Stunden zu schaffen. Die folgenden 1022km per Flugzeug nach Edinburgh sind gemütliche 1:50 Stunden. Der Weg von Edinburgh über Glasgow bis zum Fährenterminal in Kennacraig lesen sich mit 244km gemütlich, sind mit über 4 Stunden Fahrtzeit jedoch ziemlich nervenaufreibend – wir haben eine Fähre zu erwischen! Da schwitzt man im schottischen Herbstwetter schon wie im Dubaier Hochsommer, wenn 30km vor dem Ziel ein Tanklastwagen vor dem eigenen Auto auf die einspurige, wie ein Dschungelpfad verschlängelte Landstraße einfährt.

Sowohl der LKW als auch wir vier whiskydurstigen Reisenden erreichten jedoch rechtzeitig unser Schiff, das auf den folgenden 48km uns bei Bier und Fisch & Chips 1:55 Stunden Zeit gab die Küstenlandschaften zu bewundern.

Caol Ila

Caol Ila

Caol Ila. Kein schöner Anblick.

Dann, endlich (nach einem Zwangsstopp in Edinburgh mit Besuch der fantastischen Bow Bar), 32 Stunden nachdem wir von zuhause losgefahren sind, liegen wir jedoch nicht an einem palmengesäumten Strand auf einer kleinen Privatinsel in der Karibik – dort wären wir schneller gewesen – sondern kämpfen uns im Sturm (der Schotte mag das anders sehen) der ersten Destillerie – Caol Ila – entgegen. Eine Whiskyproduktionsstätte im Charme von Duisburger Industrieruinen. Schnell weiter.

Bunnahabhain

Bunnahabhain

Bunnahabhain

Vom Auto aus wurde bereits klar dass wir jetzt auf unsere Kosten kommen würden. Die Straße schlängelt sich von einer Anhöhe nach unten in eine kleine Bucht in der malerisch unsere nächste Destillerie – Bunnahabhain – liegt. Ein Pier ragt ins Meer, leere Fässer sind zu hohen Hügeln geschlichtet.

In einem kleinen Raum, der nicht mehr als ein Fass und ein paar Flaschen beherbergt, treffen wir unseren Tourguide und starten die Führung. Leider darf hier nur ohne Blitz fotografiert werden. Der Grund erschließt sich mir aufgrund des starken Dialekts oder der mangelnden Erklärung nicht. Wir werden zur Mühle geführt, wo das Malz geschrotet wird und erhalten Einblick in die verschiedenen Mahlgrade des Malzes und deren Mengenverhältnis zueinander für die Maische. Während die gröbste Schrotung noch richtig nach Getreide schmeckt, ist die feinste Ausführung fluffig wie Mehl und schmeckt extrem süß.

Washbacks bei Bunnahabhain

Washbacks bei Bunnahabhain

Nach etwa einer Stunde Tour die uns noch zu den Washbacks und den Brennblasen (Wash- und Spirit Stills) führte, waren wir wieder zurück im kleinen Kämmerlein wo wir jeweils drei verschiedene Whiskies unter fachkundiger Anleitung verkosten durften.

An dieser Stelle vielleicht noch ein kleiner Rundumschlag zur Whiskyherstellung

  • Wash- und Spirit Still bei Bunnahabhain

    Wash- und Spirit Still bei Bunnahabhain

    Gerste wird großflächig einige Zentimeter dick auf dem Malzboden ausgebracht und mit Wasser feucht gehalten

  • beginnt die Gerste zu keimen, entsteht Zucker aus der im Korn enthaltenen Stärke. Die Keimung muss dann sofort gestoppt werden bevor der Keim den Zucker verbraucht
  • das Stoppen der Keimung passiert im Kiln, von außen sieht das Gebäude wie eine Pagode aus. Innen liegt die Gerste auf einer Art riesigem Sieb unter dem ein Ofen Hitze erzeugt. Bei allen rauchigen Whiskies passiert dies unter Zugabe von Torf ins Feuer, was zusätzlich zur Hitze auch einen starken Rauch erzeugt
  • das Destillat fließt in den Spirit Safe bei Bunnahabhain

    das Destillat fließt in den Spirit Safe bei Bunnahabhain

    die getrocknete Gerste wird geschrotet und anschließend in Maischbottichen mehrfach mit unterschiedlich stark erhitzten Wasser übergossen um den Zucker zu lösen, es entsteht Wort (dt: Würze)

  • das Wort wird in Gärbottiche (Wash Backs) mit Hefe vergärt – es entsteht Bier
  • die Maische wird nun in Brennblasen mehrfach gebrannt. Zuerst in einer Wash Still und anschließend zur Erhöhung des Alkoholgehalts in einer Spirit Still.
  • das Destillat fließt in den Spirit Safe, in dem nur der Middle Cut in Fässer abgefüllt wird. Vor- und Nachlauf wären ungenießbar.

Bowmore

Bowmore von Bowmore aus

Bowmore von Bowmore aus

Nach dem Tasting ging es die Landstraße (schottische Maßstäbe) bzw. den wilden schiefen einspurigen halbwegs geteerten Feldweg (deutsche Maßsstäbe) nach Bowmore. Eigentlich nur zum Einkaufen und Geld abheben. Aber bei der Gelegenheit lässt sich von dem kleinen Küstendorf noch ein Blick auf die malerisch in der Stadt gelegene Destillerie Bowmore werfen.

Port Ellen

Port Ellen

Port Ellen

Die ehemalige Destillerie Port Ellen, die nun eine reine Mälzerei ist, stellt nicht nur für die meisten anderen Insel-Destillerien das Malz her, sondern auch das größte Gebäude der ganzen Stadt dar. Diese ist ansonsten idyllisch, klein, direkt am Meer gelegen und einfach zum verlieben. Unser Bed & Breakfast „The Oystercatcher“ ist sehr liebevoll eingerichtet und bietet Meerblick aus beiden Zimmern. Abends geht es in das obligatorische Pub „Ardview Inn“: klein, klebrig, wild zusammengewürfelt, offenes Feuer, gutes Bier, hübsche Barfrau, zottelige Fischer.

Fangfrisches Abendessen

Fangfrisches Abendessen

Lynn, unsere nette B&B Gastgeberin machte uns stets sehr, sehr leckeres und reichhaltiges Frühstück. Außerdem organisierte sie als Abendessen für uns vom Mann (Fischer) ihrer Freundin zwei große Meerestierplatten (fangfrische Hummer, Krabben, Muscheln, Langusten, Prawns und vieles mehr). Ein Traum! Am ersten Tag schrieb sie uns aber eine Mail dass wegen des Wetters ans Fischen nicht zu denken war und wir die Platten erst am nächsten Tag (vielleicht) bekämen. Das Warten hat sich gelohnt!

Kilchoman

Machir Bay

Machir Bay

Am nächsten Tag zeigte sich das Wetter von seiner schottischen Seite: Tiefe Wolken, stürmischer Wind, Nieselregen. Zuerst halten wir an der Machir Bay, einer traumhaften Bucht mit weißem Sandstrand, Wellen, Wind und Einsamkeit.

Von den Dünen aus sieht man eine kleine Rauchfahne in der Ferne, die vom Betrieb unserer nächsten Destillerie – Kilchoman – zeugt. Im Vergleich zu den anderen Destillerien ist diese wirklich klein, eine umgebaute Farm die auch noch genau diesen Charme versprüht. Die Zeit bis zur Führung überbrücken wir mit Tee, Cappuccino und Gebäck im kleinen integrierten Café.

Maische im Washback

Maische im Washback

Die Führung ist ausführlich und interessant. Wir werden über die Malzböden geführt, zur alten Mühle (Kilchoman ist eine sehr junge Destillerie die sich eine sehr alte Mühle gekauft haben) und, erstmal an den Brennblasen vorbei zu den Washbacks. Diese sind aus Edelstahl, was ich persönlich schade finde, da Holzbottiche zur Whiskyherstellung angeblich ihre ganz eigene Note beitragen. Wir dürfen von der Maische trinken was aber einfach nur nach Bier schmeckt (und nichts anderes ist).

Zum Abschluss geht es nicht ins Lager (der Whisky wird nicht hier direkt gelagert) sondern in die Abfüllung. Dort werden tatsächlich noch richtig altmodisch per Hand die Flaschen beklebt und verpackt.

Bruichladdich

Brennblasen (Spirit- und Washstills) bei Bruichladdich

Brennblasen (Spirit- und Washstills) bei Bruichladdich

Zeit die Insel ausführlicher zu erkunden oder sogar mal den Blutalkoholwert wieder nahe 0,0 Promille senken zu lassen haben wir bei unserem Zeitplan leider nicht. Ein kurzer Zwischenstopp am Arsch der Welt im sagenhaft Wellen- und Windgepeitschten Portnahaven.

 

Anschließend ging es gleich weiter zu Bruichladdich wo wir zuerst die Standardtour machten. Alles super erklärt und zum Abschluss sogar ins Lager gegangen. In diesen feuchten, dunklen und verschimmelten Gewölben zwischen all den Fässern spazieren zu dürfen war genial. So weit schonmal die beste Tour.

Octomore 12y aus dem Fass

Octomore 12y aus dem Fass

Das anschließende Tasting wurde aber rabiat von unserem nächsten Tourguide unterbrochen und wir gingen wieder zusammen ins Warehouse. Diesmal aber um dort ein ausführliches Tasting durchzuführen: es wurde direkt aus dem Fass ausgeschenkt! Und zwar mit einer sog. Valinch – einer Art Riesenpipette. Drei verschiedene Whiskies, keiner hiervon als Flasche geschweige denn im regulären Handel erhältlich, durften wir hier unter extrem lustiger und fachkundiger Erklärung genießen. Traumhaft!

Zum Abschluss füllten wir uns noch eine eigene Flasche direkt aus einem Fass ab, was im Shop regulär angeboten wird. Beide Guides, Mary (Chef vom Shop) und die einmaligen Erlebnisse machen auch jetzt noch Bruichladdich Standard + Warehouse Tour zu meiner absoluten Nummer 1.

Kildalton Cross

Kildalton Cross

Kildalton Cross

Am nächsten Tag hatten wir eine lange Tour bei Laphroaig gebucht und vorher leider keine andere Tour organisieren können. So hatten wir Zeit für etwas Sightseeing und genossen die einsamen Straßen an der Küste entlang und schauten uns Kildalton Cross an, welches als das herausragendste christlichen Relikte seiner Zeit (8. Jahrhundert) gilt.

Ardbeg und Lagavulin

Ardbeg

Ardbeg

Ardbeg, Lagavulin und Laphroaig liegen in unmittelbarer Nachbarschaft an der Südküste Islays. Aus Zeitmangel besichtigten wir Ardbeg und Lagavulin nur von außen und besuchten jeweils den Shop für unsere Mitbringsel ;) Was auffiel, ist, dass Ardbeg die mit Abstand „rausgeputzteste“ Destillerie unserer Reise war. Alles frisch gestrichen, aufgeräumt und dekoriert – passt irgendwie zum Image und dem Mutterkonzern LVMH.

 Laphroaig

Laphroaig Water To Whisky Experience – die Mutter aller Whisky Touren! Uns stehen über vier Stunden durch die Destillerie inklusive Wanderung, Mittagessen und Torfstechen bevor.

Malzboden, hier keimt die Gerste

Malzboden, hier keimt die Gerste

Wir starten mit einer Runde in der Destillerie. Obwohl Laphroaig nun wirklich keine kleine Destillerie ist, mälzen sie etwa 20% ihrer benötigten Gerste selbst. Wir laufen zu den Malzböden und dürfen sogar in den Malt Kiln – dort wird die feuchte, angekeimte Gerste zum Trocknen ausgebracht. Von außen sieht es wie eine Pagode aus, innen ist es eine Art riesengroßes Sieb unter dem ein Torffeuer brennt. Es stinkt, ist heiß und wunderschön ;)

Wash- und Spiritstills bei Laphroaig

Wash- und Spiritstills bei Laphroaig

Wir machen eine große Runde durch die Destillerie, wobei auffällt, dass Laphroaig durch ihre große Anzahl an Wash- und Spiritstills schon auch fast industriellen Charakter hat, aber trotz allem familiär und klein rüberkommt. Unser Tourguide teilt uns noch viele interessante Details zu Fässern und Lagerzeiten ihrer NAS Whiskies mit (die Reifezeit z.B. des Quarter Casks nenne ich an dieser Stelle lieber nicht). Nachdem wir einmal durch sind, holen wir uns unsere Gummistiefel und es geht draußen los!

Loch von Laphroaig

Loch von Laphroaig

Zuerst ging es mit den Auto nördlich in die Landschaft rein. Nach einem etwa 15 minütigen Fußmarsch waren wir dann an dem Loch aus dem Laphroaig sein Wasser zur Whiskyherstellung bezieht. Wir machten es uns an einem Tisch bequem und bekamen fünf verschiedene Gerichte (Suppe, Lachs, Wild, Schinken, Süßes) was jeweils mit Laphroaig eingerieben / eingearbeitet wurde. Lecker! Dazu wurden natürlich drei verschiedene Drams ausgeschenkt.

Beim Torfstechen von Laphroaig

Beim Torfstechen von Laphroaig

Gestärkt ging es dann weiter zu den Torffelder. Im Gegensatz zu anderen Destillerien und Malzherstellern wird bei Laphroaig der Torf noch ausschließlich mit der Hand gestochen. Das schont die Umwelt und hilft dem Image. Wir durften natürlich an einem Übungsfeld dann auch gleich mal ran und unseren eigenen Torf stechen. Das geht wesentlich einfacher als man denkt! Wesentlich schwieriger als man denkt ist es allerding, einen bereits angetrockneten Torfbatzen (der eigene wäre zu nass gewesen) irgendwie heil zum Koffer und dann unversehrt in die Heimat zu transportieren.

Als Krönung durften wir uns dann im Warehouse unseren eigenen Whisky mit dem Valinch in eine Flasche abfüllen. Ich entschied mich für das greifbar älteste Fass von 1999.

Springbank

Manuelles Wenden der Gerste

Manuelles Wenden der Gerste

Wir hatten nun alle Destillerien auf Islay besichtigt oder zumindest gesehen und so konnten wir nach der dritten Nacht in Port Ellen wieder gemütlich auf’s Festland fahren. Als nächstes Ziel hatten wir Campbeltown und die dortige Springbank Destillerie festgelegt.

Die Hafenstadt ist unscheinbar und grau und mittendrin befindet sich Springbank. Dort hatten wir die Standardtour mit anschließendem Cadenhead Warehouse Tasting gebucht.

Arbeitsplatz im Peat Kiln

Arbeitsplatz im Peat Kiln

Inzwischen wissen wir ja schon einigermaßen wie Whisky hergestellt wird, so war der Prozess an sich nichts weiter neues. Absolut bemerkenswert ist bei Springbank jedoch die noch immer beibehaltene Manufaktur des Whiskys: die gesamte Herstellung wird von 6 Arbeitern per Hand durchgeführt. Eigene Gerste, eigenes Mälzen, alles mit viel Liebe von Hand gemacht. Genial! Wenn man dann erfährt, dass beim mehr als zwölfstündigen Torffeuer von Hand alle 10 bis 15 Minuten Torf nachgegeben werden muss, weiß man den Whisky noch viel mehr zu würdigen!

Cadenhead Warehouse Tasting

Cadenhead Warehouse Tasting

Den krönenden Abschluss unserer großen Whiskytour bot dann das Cadenhead Warehouse Tasting in den Lagern von Springbank. Dort lagern wahre Schätze: unabhängige Abfüllungen teilweise längst geschlossener Destillerien, teilweise 40 Jahre und älter. Ein besonderes Special war, dass die Tour vom Distillery Manager durchgeführt wurde, der dann auch kein Problem damit hatte uns 20, 30 und auch 40 jährige Malts mit der Valinch einzuschenken.

Nach insgesamt sechs Tagen, neun Destillerien und fünf Führungen traten wir dann vollkommen vertorft unseren Heimflug an. Islay – wir werden uns wieder sehen!

Bildergalerien Islay Tour

074

 

Umzug – mal wieder

Gute Vorsätze für 2015, eine kostenlose Domain verfügbar und zu viel Werbung auf wordpress.com gaben den Ausschlag: dieser Blog wird ab sofort unter

http://www.anscheinbar.net

weitergeführt. Von der Cloud-Konsolidierung sind auch meine verstreuten Bildergalerien betroffen, diese gibt es jetzt gesammelt hier:

http://fotos.anscheinbar.net

Wer den Feed abonniert hat, der findet diesen jetzt hier:

http://www.anscheinbar.net/feed/

Und wenn alles glatt geht, dann leitet wordpress.com als Umzugshelfer sogar automatisch alle Anfragen weiter. Mal sehen…

Sicherheit von Passwörtern (auf Anbieterseite)

In diesem Artikel soll es nicht um die Sicherheit von Passwörtern im Sinne ihres eigentlichen Wertes gehen. Sondern vielmehr über die Sicherheit von Passwörtern durch den Umgang mit ihnen durch Onlineportale.

Ich persönlich nutze aktiv mehrere Passwörter die sich in ihrer Sicherheitsstufe und dementsprechend ihrem syntaktischen Aufbau unterscheiden. Notwendig ist das für mich unter anderem deshalb, weil Onlinedienste teilweise drastisch nachlässig bezüglich Security sind.

Warum? Hackerangriffe mit Diebstahl von Userdaten mit teilweise unverschlüsselt gespeicherten Passwörtern sind hierbei nur das offensichtlichste Problem. Hat jemand z.B. im Webshop X meine Anmeldedaten geklaut, möchte ich nicht, dass er sich anschließend mit denselben Daten auch noch in mein E-Mailpostfach einloggen kann.

Daher liste ich jetzt einfach mal ein paar Indikatoren auf, die darauf hinweisen, dass das Passwort bei dem entsprechenden Anbieter vielleicht nicht besonders gut aufgehoben ist.

Sicherheit 0: Passwort wird unverschlüsselt auf dem Server gespeichert. Meistens bekommt man davon leider nichts mit. Allerdings handeln manche Anbieter wenigstens konsequent blöd und senden einem nach der Registrierung auch noch eine Bestätigungsemail mit dem Passwort im Klartext zu. Finger weg von solchen Portalen oder individualisierte Passwörter jeweils nur für ein derartiges Angebot verwenden!

Fahrlässiger kann Umgang mit Passwörtern fast nicht sein.

Fahrlässiger kann Umgang mit Passwörtern fast nicht sein.

Sicherheit 1: Bei der Registrierung müssen „Sicherheitsfragen“ beantwortet werden, damit im Notfall das Passwort zurückgesetzt werden kann. Nur leider wissen einige Personen, wie mein Haustier heißt oder was meine erste Wohnadresse war. Angreifer aus dem persönlichen Umfeld haben es hier leicht.

Andere Fragen ermöglichen es aber selbst unbekannten dritten den Account zu hacken: die Farbe meines ersten Autos beschränkt sich auf eine Handvoll Möglichkeiten und die Wahrscheinlichkeit das der Mädchennamen meiner Mutter Müller oder Maier ist, ist hoch.

Sicherheit 2: Beim Anmeldevorgang werden Benutzername und Passwort einzeln geprüft. Wenn ein Angreifer einen Account hacken möchte und die Meldung „Falsches Passwort“ erhält, weiß er zumindest schonmal, dass der Username korrekt ist. Die Wahrscheinlichkeit einer Accountübernahme ist nun erheblich höher, da nun „nur noch“ das Passwort herausgefunden werden muss.

Total bescheuert (sorry) vorne mit dabei ist hier Facebook, die dann zusätzlich sogar meinen echten Namen und mein Profilbild anzeigen. Geniales Feature (ich weiß nur nicht für was).

Nett: potentielle Hacker sehen gleich mein Profilbild und Klarnamen.

Nett: potentielle Hacker sehen gleich mein Profilbild und Klarnamen.

Sicherheit 3: Hier kann selbst ich einigermaßen Vertrauen dem Betreiber entgegenbringen: nach einem fehlerhaften Versuch erhält man lediglich die Meldung „Falsche Anmeldedaten“. Der Angreifer weiß nun nicht, ob der Account überhaupt existiert.

Google macht es mal wieder vor, wie es richtig wäre.

Google macht es mal wieder vor, wie es richtig wäre.

Wie man sieht, nützt selbst das beste Passwort nichts, wenn die Gegenseite grob fahrlässig damit umgeht. Bisher bin ich mit meinem System ganz gut gefahren. Zweimal wurden Accountdaten von mir geklaut (wordpress.com und Adobe) – und zweimal hatte ich keinen Stress dabei, da ich diese Passwörter nicht bzw. nur sehr begrenzt wiederverwendet hatte.

Ein kleiner Fotobuchtest

Wie ich bereits im ersten und zweiten Teil meiner kleinen Fotobuch-Reihe geschrieben habe, hatte ich die Möglichkeit ein Fotobuch von Saal Digital zu testen. Da es sich hierbei sowieso um meinen Standard-Anbieter handelt und ich keine weiteren Vorgaben zu diesem Artikel erhalten habe, nahm ich die Gelegenheit natürlich wahr und erstellte ein Fotobuch zum einjährigen Geburtstag meiner Tochter.

Saal Fotobuch: 28x28cm, Hardcover matt, Seiten matt.

Saal Fotobuch: 28x28cm, Hardcover matt, Seiten matt.

Software / Direktupload

Zur Software kann ich leider nichts weiter sagen, da ich einen „indirekten“ Direktupload verwende. Man ist nämlich nicht (im Gegensatz zu vielen anderen Anbietern) auf die Software angewiesen, sondern kann – dank pixelgenauer Angaben zu den Abmessungen – die Fotobuchseiten in eigenen Tools (Photoshop, FotoFusion, etc)  erstellen und als PDF hochladen.

Ich erstelle meine Fotobücher mit FotoFusion, exportiere JPGs und lasse diese durch die Saal Software automatisch als Hintergrundbilder formatfüllend in alle Seiten einfügen. Dafür taugt die Software allemal.

Bestellvorgang

Ein paar Klicks zur Konfiguration (Cover: Glanz / Matt, Seiten ebenso) und das Buch wird hochgeladen und ist bestellt. Schade: in der Bestellbestätigung per E-Mail findet sich nicht der selbstgewählte Buchname. Ist mir immer wichtig wenn ich nachschauen möchte mit welchen Optionen ich das Fotobuch X nochmal bestellt hatte.

Positiv: detaillierter Status der Bestellung

Positiv: online findet sich ein detaillierter Status der Bestellung

Lieferzeit / Verpackung

Meine Saal Fotobücher wurden mir bisher immer zwei Tage nach der Bestellung per DHL geliefert. Schneller geht es glaube ich kaum.

Jedes Fotobuch ist einzeln in Folie eingeschweißt und zusammen im Paket mit Schutzecken und Polsterfolie versehen. Wäre jedes Fotobuch einzeln mit Schutzecken bestückt, dann würde ich mich auch beim einzelnen Weitertransport zu Beschenkenden sicherer fühlen.

Qualität

Die Fotobuchqualität ist einwandfrei. Wert legte ich bei der Auswahl des Anbieters auf zwei Faktoren: Belichtung (kein Druck) und plane Doppelseiten (kein Falz in der Mitte).

Ohne störenden Falz können Bilder auch mal über die Mitte gehen.

Ohne störenden Falz können Bilder auch mal über die Mitte gehen.

Meine Bücher lasse ich auf mattem Fotopapier entwickeln, Hochglanzbilder wirken schnell mal billig und sind für Portraits gänzlich ungeeignet. Außerdem ist mein Fotobuch relativ unempfindlich gegenüber Fingerdadschern (da fällt mir nichts hochdeutsches dazu ein ;) – Fingerabrücke sind vielleicht eine Teilmenge von Fingerdadschern).

Bei Saal besteht eine Seite aus zwei (Vorder- und Rückseite) miteinander verklebten Fotopapieren. Hierdurch sind die Seiten schön stabil, schwer und fühlen sich wertig an.

Die Farben sind „echt“ und es gibt auch keine sichtbaren Pixel / Raster wie bei gedruckten Büchern.

Schöne Farben und kein Raster sichtbar.

Schöne Farben und kein Raster sichtbar.

Der Kundenservice ist sehr gut, da bei meinem vorletzten Fotobuch ein kleiner Belichtungsfehler auf einer Seite war und ich nach kurzem Telefonat und Foto des Fehlers ein komplett neues Buch zwei Tage später in den Händen hielt.

Gesamteindruck

Das vielleicht beste Fotobuch auf dem Markt? Nein.

Da gibt es z.B. die Fotobücher von Fotoexakt (ehemals FC-Prints) die mit meinem Hochzeitsalbum das beste Produkt abgeliefert haben was ich bisher gesehen habe. Aber der Preis mit 188 Euro ist halt auch mehr als fünfmal so hoch wie das bei Saal Digital für 34 Euro (bei jeweils 40 Seiten).

Es gibt teurere Bücher die eine wesentlich schlechtere Qualität haben – sei es wegen der Materialien oder produktionsbedingt. Und die High-End Bücher mit in Italien handgeschöpften Papieren (tatsächlich) kommen für mich sowieso nicht in Frage.

Daher würde ich sagen: Saal ist für mich das beste Fotobuch – seit Jahren und nicht erst seit diesem Test ;)

Design eines Fotobuchs

Warum ich aktuell ein Fotobuch erstelle und wie man am besten die Bilder hierfür auswählt habe ich bereits im letzten Artikel beschrieben. Nun geht es um das eigentliche Design der einzelnen Fotobuchseiten.

Format. Hochformat kommt für mich nicht in Frage, ich möchte schließlich keine Zeitschrift publizieren.
Ich möchte eine Doppelseite als Ganzes für sich sprechen lassen, zwei unterschiedliche Themen oder Hintergrundbilder auf einer aufgeschlagenen Doppelseite kommen daher für mich nicht in Frage, da es sofort unruhig wirkt und das Auge des Betrachters ablenkt.
Daher sollte die Breite „der einen Seite“ (aufgeschlagene Doppelseite) nicht übermäßig die Höhe des Fotobuchs dominieren. Querformat, welches aufgeklappt normalerweise ein Seitenverhältnis von 3:1 oder gar 4:1 hat, scheidet somit aus.
Am nähesten ans (35mm Format angelehnte) Seitenverhältnis von 3:2 (in dem auch alle meine Bilder vorliegen) kommt daher ein quadratisches Format, bei dem eine Doppelseite entsprechend ein 2:1 Format hat.

2:1 als perfektes Fotobuchformat um auch ein einzelnen Bild auf einer Doppelseite wirken zu lassen.

2:1 als perfektes Fotobuchformat um auch ein einzelnes (Kapitel-) Bild auf einer Doppelseite wirken zu lassen.

Größe. Ich möchte im Notfall zwei Hochkantfotos übereinander haben. Weniger als 30cm Seitenlänge würde in eine Briefmarkensammlung resultieren. So hätte ich dann fast das analoge Standardbelichtungsformat 10×15.

Bilderanzahl. Auf einem Blick kann man maximal sieben Gegenstände ohne nachzuzählen erkennen. Das versuche ich auch mit den Bildern auf einer Doppelseite einzuhalten.

Anordnung der Bilder. Ich empfinde symmetrischen Aufbau ansprechend und unanstrengend für den Betrachter.

Eine Doppelseite mit wenigen Bildern die symmetrisch angeordnet sind.

Eine Doppelseite mit wenigen Bildern die symmetrisch angeordnet sind.

Hintergrund. Sollte zu den Bildern passen, nicht ablenken. Daher nehme ich grundsätzlich ein auf der Seite vorhandenes Bild (ohne eines, welches vorhanden sein könnte) als Hintergrund und mache es unscharf (Blur-Faktor 0,3 bis 0,4). Somit ist das Hintergrundbild garantiert farblich passend und das Muster findet sich auf der Seite wieder.

Effekte. Danke nein. Naja, fast nein. Weißer Rahmen und leichter Schattenwurf, damit die einzelnen Bilder sich etwas vom Hintergrund abheben.

Die wenigen Effekte die ich Fotobüchern hinzufüge, die aber die Bilder vom unscharfen Hintergrund deutlicher hervortreten lassen.

Detailausschnitt: die wenigen Effekte, die ich Fotobüchern hinzufüge, welche aber die Bilder vom unscharfen Hintergrund deutlicher hervortreten lassen.

Sichtung und Auswahl von Fotos

Ich bekam die Möglichkeit bei meinem langjährigen Fotobuchhersteller Saal Digital ein Fotobuch zu testen. Ich erhalte einen 30 Euro Gutschein für das Testobjekt und im Gegenzug werde ich hier im Blog einen Erfahrungs- und Testbericht schreiben.

Der Gutschein ist natürlich unabhängig von den Ergebnissen und der Artikel wird auch nicht vorher „kontrollgelesen“, auch sonst habe ich völlige Narrenfreiheit ;) Ich nutzte einfach die Chance, da ich sowieso ein neues Fotobuch erstellen wollte. Jetzt aber unter zeitlichem Druck: der Gutschein gilt begrenzte Zeit.

Und somit zum eigentlichen Thema: der Bilderauswahl für ein Fotobuch.

Aus den letzten drei Urlauben habe ich im Schnitt jeweils etwa 3.000 Bilder mitgebracht. Bei der Anzahl der zeigenswerten Bilder unterscheide ich in Fotoshow zuhause (150 bis 250 Bilder), Fotobuch (100 bis 150 Bilder (1 bis 5 Bilder pro Doppelseite) und Fotoshow im Web (etwa 30 Bilder).

Die schnellste und effektivste – aber auch die sauberste – Art, Bilder für das Projekt auszuwählen, ist für mich die iterative Besternung der Fotos. Hierbei schaue ich mir in einer ersten Runde R(1) jedes einzelne Foto kurz an und alles was ich für grundsätzlich nicht schlecht empfinde, bekommt einen Stern.

Für die nächsten Runden R(n+1) schaue ich mir alle Bilder mit n Sternen an und diejenigen die ich für besser als die anderen halte, erhalten n+1 Sterne. Ab drei Sternen achte ich allerdings auch darauf, dass ich aus jedem zeigenswerten Kontext mindestens ein Bild mit in die nächste Runde nehme, auch wenn es technisch oder gestalterisch vielleicht nicht mit den Bildern anderer Kontexte mithalten kann.

Screenshot Lightroom: 12 bewertete Bilder von insgesamt 251 Schildkrötenfotos.

Screenshot Lightroom: 12 bewertete Bilder von insgesamt 251 Schildkrötenfotos.

Im Gegenzug achte ich darauf, dass ich aus jedem zeigenswerten Kontext auch nicht unbedingt mehr als ein Bild in die letzte Runde mitnehme. Für mich persönlich mag es absolut sehenswert sein, wenn ich ein Bild A mit einer fressenden Galapagos Riesenschildkröte im tiefen Gras habe und Bild B mit einer anderen, dafür schlafenden Riesenschildkröte am Wasser. Der Zuschauer der nicht „dabei war“ sondern mit emotionalem Abstand die Bilder ansieht, sieht zwei Schildkröten – und fühlt sich spätestens bei der dritten Schildkröte (obwohl diese grad so lustig den Kopf streckt) selber so alt wie eine.

Und ganz am Schluss kommen die vorher selbst gesteckten Grenzen der Bilderanzahl ins Spiel: habe ich sowieso noch nicht die Grenze ausgeschöpft, dann kann ich halt doch mal ein sehenswertes „Duplikat“ drinnen lassen. Liege ich dagegen sowieso schon über der Grenze, müssen halt leider selbst die Superstars bestimmter Szenarien draußen bleiben.

Zum Tooling noch kurz.

Ich nutze als große Bilderdatenbank zum verwalten, besternen, bearbeiten und entwickeln Adobe Photoshop Lightroom (im Gegensatz zu Photoshop bezahlbar ;)

Alternativen die das Besternen auch ermöglichen sind anscheinend nicht einfach zu finden (vielleicht noch XnView).

Daher bietet sich auch noch über einen kleinen Umweg Irfan View an: in den Einstellungen unter Dateihandling einstellen, dass das Kopieren automatisch in ein Unterverzeichnis (1 Stern, …, 5 Sterne) passiert. Beim Ansehen der Bilder dann einfach die F8-Taste drücken, und das aktuelle Bild landet in diesem Auswahl-Ordner. Nicht so schön wie Sterne zu vergeben, aber funktioniert.

Tiefergelegte Zisterne

Den vielleicht größten Hammer unseres Hausbaus entdeckten wir erst vor ein paar Wochen bei der Gartenplanung: der Zisternendeckel ist verdammt hoch. Ein Nachmessen mit einer Schlauchwasserwaage brachte dann die traurige Gewissheit, dass unsere Zisterne 23 Zentimeter überhalb der Straßenkante liegt und somit fast 20 Zentimeter aus dem Pflaster der Carportfläche herausragen wird. Unparkbar.

Eine Alternative unseres Rohbauers wäre ein neuer, flacher (nicht konischer) Deckel. Dann müsste allerdings der Wasserfilter anstatt in der Zisterne selbst zu sitzen, extern verbuddelt werden. Außerdem stellt sich natürlich die Frage ob die konstruktionsbedingte geringere Tragkraft eine Befahrbarkeit zulässt.

Geeinigt haben wir uns dann auf die denkbar aufwändigste Lösung: dem Versetzen der Zisterne. Es sollen die 8.000 Liter Wasser abgepumpt, die Zisterne ausgebuddelt, per Autokran herausgehoben, das Loch um 20cm vertieft, die Zisterne wieder eingesetzt, die Kanalanschlüsse vertieft und angeschlossen werden.

Freilegen der Zisterne

Freilegen der Zisterne

Wie mailte unser Bauleiter so schön dazu: Manche haben einen tiefergelegten Manta oder Golf, Sie haben dann eben eine tiefergelegte Zisterne. Hat ja auch nicht jeder…

Tja, und wie das beim Bau so ist: zwei Tage vor dem Termin, alles war vorbereitet, Kran war bereits bestellt, ruft der Zisternenhersteller unseren Rohbauer an. Der Flachdeckel ermöglicht auf einmal doch einen internen Filter und die Befahrbarkeit ist selbst für Schwerlastverkehr sichergestellt. Lediglich ein Kanalanschluss muss etwas tiefer neu gebohrt werden.

Und so passierte es dann auch. Der obere Teil der Zisterne wurde vorsichtig freigelegt, der festbetonierte Deckel abgelöst und entfernt. Der Kanalanschluss wurde tiefer gebohrt (hierdurch verlieren wir tatsächlich ein paar hundert Liter Fassungsvolumen, bei ursprünglich aber 8.600 Litern aber vernachlässigbar) und alles wieder angeschlossen.

Der neue Flachdeckel schwebt ein

Der neue Flachdeckel schwebt ein

Der neue Deckel ist 40 Zentimeter flacher als der konische Deckel, daher wurden zum Schluss nochmal zwei Ausgleichsringe für der Gullideckel aufgesetzt. Jetzt kann fleißig gepflastert werden…

Die dunkle Macht des Torfes

Ardbeg, das Apple der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Was dem einen sein iPhone, ist des anderen sein Galileo. Doch was hat es damit auf sich?

Ardbeg ist mit 1.000.000 Litern jährlichem Produktionsvolumen eine der kleinsten Destillerien Schottlands. Inzwischen gehört sie dem Luxuskonzern LVMH was das Marketing wahrscheinlich extrem gepusht hat. Es werden wie bei Apple Begehrlichkeiten geweckt: jedes Jahr erscheint eine neue Abfüllung mit einem vielversprechendem Namen, geringer Auflage und hohem Preis. Das beworbene Produkt muss aber noch nicht mal besser sein als die Konkurrenz, die Anhänger werden trotzdem in Scharen mobilisiert.

Die neuen Abfüllungen haben einfach ein anderes Design, Namen und Hintergrundgeschichte. 2012 bezog sich die Edition auf ein wissenschaftliches(?) Experiment: da wurden von Ardbeg ein Schluck Whisky und Holzfass in den Weltraum hochgeschickt um deren Alterungsverhalten in der Schwerelosigkeit zu testen.

Sinnlos? Nicht so sinnlos wie anschließend einen unterdurchschnittlichen [1] Whisky rauszubringen, der Galileo heißt, eine sehr hübsche Packung hat (mit Laika, wie süß!) und sofort fast ausverkauft war [2].

Ardbeg Galileo Logo (Foto von ardbeg.com)

Ardbeg Galileo Logo (Foto von Ardbeg)

Doch je mehr man sich mit der Marke beschäftigt und in das torfige Dunkle des Ardbeguniversums eintaucht, desto schwieriger wird es, sich dieser Macht zu entziehen.

  • Altersangaben? Scheiß drauf. Name und passende Hintergrundgeschichte drücken den Charakter eines Whiskys viel besser aus.
  • Färben? Kein Bedarf. Der Torf wird auch durchsichtig sprechen schreien.
  • Filtern und Verdünnen? Nope. Du bekommst ungebändigten Islaywhisky in Fassstärke.

Das sind meine Eindrücke, nachdem ich für meine nächste Anschaffung recherchiert (im Netz, getrunken bisher lediglich Ardbeg Ten und Galileo) und mich entschieden habe: es wird tatsächlich ein Ardbeg werden, und zwar der wilde, ungebändigte Strudel Corryvreckan und nicht das dunkle, mystische Loch Uigeadail.

Mich überzeugte auch folgende, gekürzte, geniale Rezession des Corryvreckan:

Während die Flüssigkeit sich erwärmt, sprudelt und blubbert der brodelnde Kessel, und, kommt man langsam näher, riecht man einen Topf voll kraftstrotzendem, mit Cayenne Pfeffer gewürztem Steak und Austern, erstickt in scharfer Tabascosauce, die aus einer Mischung von tomatigem Rinderfond und Shrimp jambalaya auftauchen.
Auf dem Weg nach unten, trifft man einen Mund voll von schwarzem, teerigem Espresso, der den Gaumen überzieht mit reichhaltigen, schmelzenden dunklen Früchten, schwarzen Johannisbeeren, Heidelbeeren, Kirschen und dann Bittermandeln. [Quelle]

Jetzt muss ich erstmal beim Ardbeg Committee anmelden und warten bis ENDLICH der neue Ardbeg Ardbog kommt. DEN BRAUCH ICH UNBEDINGT!!!!!!!!!!!!!! (der hat so ein lustiges Mammut auf der Verpackung!)

Ardbeg Ardbog (Foto von http://www.ardbeg-whisky.ch/ardblog/)

Ardbeg Ardbog (Foto von Ardblog)

[1] siehe Bewertungen auf Whiskybase

[2] 36 Flaschen innerhalb von zwei Tagen bei meinem lokalen Händler. Die Restbestände erhält man jetzt im Netz für 140 bis 200 Euro pro Flasche.