Archiv der Kategorie: Medienrauschen

Endlich mal Kultur

Respekt für ZDF Kultur! Nicht, dass der Sender inzwischen geile Konzerte und sogar Wacken überträgt, sie lassen der Talksendung Roche & Böhmermann anscheinend auch ziemlich freie Hand.

Nachdem ich in der vorletzten Sendung von Roche & Böhmermann schon kurz befürchtet hatte sie hätten den Charme der Sendung mit neuer Tapete, neuem Konzept und neuer Ansagerin kaputt gemacht, ist die zweite Sendung nach der Sommerpause wieder voll auf Spur.

Wo sonst hat man für jeden Gast einen Einspieler der nicht lobhudelt sondern ehrlich ist? Wo sonst hat man absolut Markus-Lanz-freie Überleitungen (nämlich keine)? Und wo sonst hat man diesen saucoolen Ansager?

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=X480TNRYBio]

Und wer die Sendung Sonntags um 22 Uhr nicht sehen kann, kann diese natürlich im Gegensatz zu den privaten HD+ Zwangsjacke-trotz-Bezahlung-Programmen sogar aufnehmen oder in der Mediathek anschauen.

Was ein SPIEGEL ONLINE Artikel wirklich kostet

SPIEGEL ONLINE (SPON) hat einen tollen Artikel veröffentlicht: „Was ein iPhone wirklich kostet“. Und – welch eine unverschämte Frechheit von Apple – der an den Endkunden weitergegebene Verkaufspreis (629 Euro) ist viel höher als die Summe der Einkaufspreise der einzelnen Komponenten (155 Euro).

Ich habe mir daher mal die Mühe gemacht und ausgerechnet, was ein Artikel auf SPON tatsächlich kostet. Ein Artikel besteht lediglich aus lesbaren Zeichen, somit müssen auch nur diese in der Rechnung berücksichtigt werden. IT Infrastruktur, PCs, etc. lasse ich genauso außen vor, wie SPON die Montage, Forschung, Lizenzgebühren, Marketing, …

Eine Computertastatur kostet 20 Euro und man erhält dafür etwa 40 Tasten für alle notwendigen Zeichen eines Artikels. Eine Taste hält vielleicht 50.000 Anschläge durch. Somit entstehen pro eingegebenen Zeichen Kosten in Höhe von 0,001 Cent.

Der aktuelle SPON Hauptartikel besteht aus 7372 Zeichen. Somit ist nach der Rechnung von SPON ihr eigener Hauptartikel stolze 7,372 Cent wert*.

* im Artikel heißt es noch „wirklich kostet“ im Video ist die Rede von „wirklich wert“.

Herausforderungen

Stillstand ist doof. Oder so.

Klar, man hat immer Treiber. Höher, schneller, weiter. Besser. Wenn man x beherrscht, benötigt man x+1 um wieder angetrieben, motiviert, zufrieden und ausgeglichen zu sein.

Die Einstellung „Steinkeil, Feuer – passt.“ hätte Curiosity nicht auf den Mars gebracht. Aber angenommen ich beherrsche den Marathon, laufe diesen stets in Bestzeiten – wäre die richtige Herausforderung dann 10km Nordic Walking?

Angenommen ich beherrsche den Rock.

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=9oQ1RYhNeAg&w=560&h=315]

Ist dann Fahrstuhlmusik eine angemessene Herausforderung?

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=Mq9zhpBweDk&w=560&h=315]

Sorry Muse, ich hoffe dass trotz der neuen Single „Madness“ (guter Titel!) das neue Album „2nd Law“ dennoch gut wird.

Vorbildlich

Gerade eben auf dem Weg in die Arbeit hörte ich diese Autowerbung im Radio:

Sohn: „Papa, was heißt eigentlich ‚vorbildlich‘?“
Papa: „Das heißt, wenn der Preis am Ende nicht höher ist als vorher versprochen“

Da wohl jeder Kunde Papas Beispiel nicht ‚vorbildlich‘ sondern eher ’selbstverständlich‘, ‚geltendes Recht‘ oder ‚da wird man net beschissen‘ nennen würde, gibt es doch einen tiefen Einblick in die Mentalität der Werbeleute im Besonderen und der Verkaufsstrategie von Unternehmen im Allgemeinen.

So gesehen, ist für den zeitgenössischen Kunden dieser Werbespot in sich selbst eine wunderschöne Erklärung des Wortes ‚vorbildlich‘.

Facebook und Nazis, Gema und Youtube

Wird Facebook ein unverzichtbares Tool der Demokratie? Muss ich jetzt gegen Nazis klicken um kein schlechtes Gewissen zu haben? Muss ich tatsächlich Blümchenlieder kaufen um meine Abneigung gegen DSDS kundzutun? Das ist übrigens das beste Geschäftsmodell der Musikindustrie seit langem: man bringt ein Musikformat im Fernsehen, anschließend ein, zwei schlechte schnell abproduzierte Alben und alle die diese fürchterliche „Musik“ nicht mögen, fordert man über Facebook auf, einfach ein anderes fürchterlich schlechtes Album zum „Protest“ zu kaufen. Man kassiert also doppelt. Genial!

Und Gema hat Deutschland jetzt noch weiter ins digitale Aus katapultiert. Channels von Bands die ihre Musik FREIWILLIG auf Youtube stellen kann ich leider nicht anschauen. Ich kann mir dann auch über Youtube nicht mehr eine Meinung jenseits der 30 Sekundenmitschnitte auf Amazon / iTunes bilden und anschließend das Album KAUFEN. 30 Sekunden reichen mir einfach nicht aus um zu entscheiden ob ich nen Zehner für ein Album auf den Tisch leg. Pech gehabt.

Gema und Youtube

Netbook am Ohr

Handys werden immer mehr zu Computern. Was die nicht alles schon beherrschen, Wahnsinn.

Inzwischen aber geht man vom kleinen Touchscreen wieder weg und hin zu größeren Bildschirmen bis 13 Zoll. Man hat inzwischen bei den neuesten Geräten sogar eine richtige Tastatur und ein Touchpad für eine Bedienung per Maus. Selbst USB darf in den Topmodellen nicht mehr fehlen.

So sehen es zumindest die Fürther Nachrichten in einem Artikel, der anscheinend vom Tagesschau Praktikanten geschrieben wurde:

[Mit gefälschten Personalausweisen] hat [der Betrüger] falsche Verträge mit einem Mobilfunkanbieter abgeschlossen, um auf diese Weise an hochwertige Mobiltelefone zu gelangen, sogenannte »Netbooks«.

Tagesschau: Google == Internet?

Interessant war in der gestrigen Tagesschau schonmal, dass Googles Streit in China es auf Platz 1 der Nachrichten schaffte und der Beitrag gefühlte fünf Minuten dauerte.

Erschreckend hierbei war die Uninformiertheit des Praktikanten der diesen Bericht zusammenzimmerte: Google zensiert nicht mehr selbst -> Google China nutzt jetzt die Server in Hongkong die nicht nach chinesischem Recht zensieren müssen -> China wiederum hat einen Filter am „Grenzübergang“ nach Hongkong, womit faktisch wieder zensiert wird. Nur halt nicht von Google.

So, der geile Fauxpas war dann: obwohl Google also jetzt aus Hongkong liefert, gehen Seiten wie Amnesty International *Einblendung Adresszeile Internet Explorer: www.amnesty.org* immer noch nicht. Seltsam.

Chance vertan

Ich bin kein Fan vom Chaos Computer Club (CCC), dennoch braucht man Leute wie diese, um bei Politikern und Verfassungsrichtern in Themen wie Meinungsfreiheit, digitaler Selbstbestimmung, etc. auf aktuelle Probleme hinzuweisen.

Mit der aktuellen Aktion, nämlich eine rechte Flirtbörse und NPD Seiten zu hacken und die gesamten (Benutzer-) Daten im Internet zu veröffentlichen haben sie aber in meinen Augen die Chance vertan ernstgenommen zu werden.

Im ersten Moment fand ich die Aktion geil, aber objektiv gesehen: Wie kann man gegen den Bundestrojaner argumentieren, während man selbst in fremde Netze einbricht und Daten klaut, auswertet und auch noch Dritten zur Verfügung stellt? In einem ähnlichen Zusammenhang hab ich vor ein paar Tagen ein schönes Zitat von Rosa Luxemburg gelesen:

Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden

Nackig fliegen

Wenn der Staat zu weit geht

Unter dieser Überschrift schreibt die SZ über den Nacktscanner, welcher Grenzen überschreiten soll. Welche Grenzen denn?

Bin ich denn der einzige, der weniger ein Problem hat das ein „Nacktbild“ einem Bundespolizisten gezeigt wird, als dass mein Fingerabdruck in der Stadtverwaltung, meine Ortungsdaten bei O2, meine Maildaten bei Host Europe und meine besuchten Internetseiten bei Vodafone sechs Monate lang auf einen Abgriff durch das BKA, Verfassungsschutz, etc. warten?

Wenn meine gesamte telefonische und schriftliche Korrespondenz stets aufgezeichnet und potentiell mitgeschnitten werden kann, meine persönlichen Files durch den Bundestrojaner gelesen werden können, dann wiegt das für mich wesentlich schwerer als mein nackter Arsch am Flughafen.

Die Grenze wurde längst überschritten, nur das System des Nackscanners kapiert auch der letzte Dorfheini. Wohingegen sich dieser unter Vorratsdatenspeicherung lediglich seine Speisekammer vorstellt.