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Beplanken des Dachgeschosses

Auch unser letztes Teilprojekt „Beplanken“ bzw. „Trockenbau“ des Dachgeschosses verhielt sich völlig erwartungskonform. Es galt auch hier: wenn durch Eigenleistung viel Geld gespart wird, so liegt das v.a. an den teuren Handwerkerstunden. Übernimmt man nun selber diese Arbeiten, muss man natürlich damit rechnen wesentlich mehr Zeit als die Profis zu benötigen. Hat man das berücksichtigt, muss man die eigene Schätzung nur noch mit dem Faktor 3 multiplizieren und schon hat man eine Aufwandsabschätzung die nicht mehr gar so sehr überschritten wird. Beispiel: die Trockenbauer hätten laut ihrer Aussage zu dritt einen Tag benötigt. Wir haben zu dritt (und teilweise viert) sieben Tage gebraucht.

Was überhaupt zu tun war? Seit der Isolierung wurde unser DG durch die hübsche Dampfsperrfolie geschmückt. Hierauf brachten wir nun eine 24mm starke Lattung (auf den Dachsparren) und eine 24mm dicke Untersparrendämmung an. Da der Taupunkt(*) nicht innerhalb dieser zweiten Dämmschicht liegen wird, wird auch keine weitere Folie benötigt (Faustregel: Untersparrendämmung nie dicker als 20% der Zwischensparrendämmung).

Folie mit Untersparrendämmung und Lattung

Dampfbremsfolie mit Untersparrendämmung und Lattung

Auf diese Lattung kommt, nun senkrecht dazu, eine weitere Lattung drauf. Ist der Wandabschluss zu niedrig (Folienanschluss wegen zu wenig Putz / Mauerwerk nicht weiter oben möglich gewesen) oder werden Halogenspots eingebaut (60mm Abhängung notwendig) muss diese zweite Lattung gedoppelt werden: also zwei 24mm Latten werden direkt übereinander verschraubt. Gut, dass unsere Kehlbalken hoch genug liegen, so dass wir selbst mit der Dopplung auf 2,44m Raumhöhe kommen (KO Kriterium: IKEA Pax Schrank mit 2,44m benötigter Aufstellhöhe ;)

Lattung an der Decke mit Halogenverkabelung

Lattung an der Decke mit Halogenverkabelung

Jetzt wird es fieslig: die 200×60 bzw 260×60 Zentimeter großen Rigipsplatten müssen zurechtgeschnitten, positioniert und verschraubt werden. Gerade das Positionieren über Kopf mit den schweren Platten ist nicht ohne, da beim Wandabschluss etwa 2mm Fuge notwendig sind. So quält man sich bei 30 Grad Raumtemperatur (wegen Estrich-Aufheizprogramm) den ganzen Tag rum.

Justieren einer Rigipsplatte

Justieren einer Rigipsplatte

Hängen die Platten, so müssen diese noch verfugt und die Schraublöcher (etwa 30 Stück pro Platte) zugespachelt werden. Schee.

(*) Taupunkt – ein Beispiel aus unserem Treppenhaus, bei dem die Folie an einer kleinen Stelle nicht 100%ig dicht war.

Zuerst die Erklärung des Taupunktes. Warme Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte Luft. Somit steigt die relative Luftfeuchtigkeit wenn sich Luft abkühlt. Ist bei einer bestimmten Temperatur – dem Taupunkt – dann eine Luftfeuchtigkeit von 100% ereicht, so kondensiert der Wasserdampf. Je nachdem wie warm und feucht die ursprüngliche Luft war, ändert sich demnach der Taupunkt.

Zu unserem Beispiel mit der kleinen Undichtigkeit am Wandabschluss der Folie. Die warme und feuchte Luft (bei uns 60% Luftfeuchte bei 30 Grad Temperatur) konnte an der Folie vorbei durch die Isolierung nach draußen gelangen. In unserem Fall lag der Taupunkt bei 21,4 Grad Celsius(**) und somit bevor die Luft an der 0 bis 10 Grad kalten Außenluft angekommen ist. Örtlich gesehen lag der Taupunkt nach etwa 15 Zentimeter Dämmung. Die Folge: nasse Dämmung auf etwa einem halben Quadratmeter und 5 Zentimer Dicke. Das mussten wir natürlich noch austauschen bevor die Folie dann endgültig luftdicht abgeschlossen wurde.

(**) http://www.wettermail.de/wetter/feuchte.html

Rohbau abgeschlossen

Nachdem die gegossene EG-Betondecke zwei Tage ruhen konnte, fingen die Maurer auch schon mit den Außenwänden des Dachgeschosses an. An den langen Seiten war aufgrund des Kniestocks nur 75cm zu mauern. Alleine der Zwerchbau und die schmalen Seiten mussten komplett hochgezogen werden.

Mauerbau Dachgeschoss

Mauerbau Dachgeschoss

Letzten Freitag kamen dann morgens um 9 Uhr die Zimmermannsleute von der Zimmerei Gessler mit den ganzen Dachstuhlbalken und einem großen Autokran. Zuerst wurde das Spitzboden-Bodengerüst am Boden zusammengeschraubt: drei Längs- und einige Querbalken (heißen Kehlbalken, wieder was gelernt!). Dieses wurde dann mit dem Kran als DG-Decke aufgesetzt.

Blick auf die Kehlbalken (DG Decke) und durch die Dachspitze

Blick auf die Kehlbalken (DG Decke) und durch die Dachspitze

Nun wurden die langen Dachbalken an den vorgesehenen DG-Wandstützen (Fußpfetten) montiert und in der Spitze miteinander (unter Verwendung eines weiteren Längsbalken (Firstpfette)) verschraubt.

Aufrichten der Dachbalken

Aufrichten der Dachbalken

eine der Fußpfetten: einziger Halt des Dachstuhls

eine der Fußpfetten: einziger Halt des Dachstuhls

Nach vier Stunden war das Werk vollbracht und unser selbstbesorgter Richtbaum (Bandalasbaam) wurde in die Dachspitze genagelt. Zwei Zimmermannsleute stiegen dann nach oben, trugen den echt guten und auch langen Spruch vor, tranken einen Bocksbeutel Wein, zerdepperten das Weinglas und dann wurde, bis es dunkel war, gegrillt, getrunken, gefeiert.

Richtspruch

Richtspruch

Um einen glatten Meter vermessen

Aktuell entsteht schon unser DG. Nachdem die Außenmauer fertig waren und auch die Stützen für das Dach verschalt wurden, entstehen aktuell die Innenmauern.

Im Dachgeschoss

Im Dachgeschoss

*Szene auf der Baustelle: Steine werden gesägt, Radio läuft, Betonpumpe schon am arbeiten*
Arbeiter A: Wo kommt denn der Schlitz hin?
Arbeiter B: WAS?
A: Wo der Bodenschlitz fürs Abwasser hinkommt?
B: Nach dreidreiundachtzig!
A: WAS?
B: Nach DREIDREIUNDACHTZIG!
A: Nach zweidreiundachtzig?
B: jaja!

So in etwa stelle ich mir die Kommunikation vor, als Arbeiter A gerade die Styroporplatzhalter für den Bodenschlitz in der Betondecke einsetzen wollte und, da er gerade keinen Plan dabei hatte, lieber mal bei Arbeiter B nachfragte.

Bodenschlitz für Abwasser

Bodenschlitz für Abwasser

Das Resultat sollte ja jetzt auch jedem klar sein. Wobei interessanterweise das Loch vom EG aus gesehen (also Filigrandecke) korrekt gesetzt wurde. Lediglich die Platzhalter im DG (also Betondecke) sind betroffen.

Unserem Bauleiter habe ich heute früh dann gleich Bescheid gegeben. Es kümmere sich darum, es sei aber eh nicht so schlimm, da sie notfalls halt das ganze Haus abreißen und nochmal von vorne anfangen. O-Ton (aber natürlich ironisch gemeint).

Nach ein paar Minuten kam dann der Rückruf: auf der Baustelle wurde es auch schon bemerkt. Der Schlitz wird zugemacht und ein neuer wird gesetzt(*). Aber da wir 16 Zentimeter Bodenaufbau haben, würde es sogar ohne neuen Schlitz funktionieren, da die Rohre auch so genug Platz haben.

Und heute Abend dann die positive Überraschung vor Ort: ist schon alles umgebaut. Perfekt.

Korrigierter Bodenschlitz

Korrigierter Bodenschlitz

(*) so einfach wird’s nicht sein: der falsche Schlitz wurde durch Styroporplatzhalter erzeugt, die vor dem Betoneingießen ihren falschen Platz fanden. Jetzt muss mit schwerem Gerät irgendwie der Betonboden auf etwa 150*20*15 Zentimeter geöffnet werden. Viel Spaß!