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Die dunkle Macht des Torfes

Ardbeg, das Apple der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Was dem einen sein iPhone, ist des anderen sein Galileo. Doch was hat es damit auf sich?

Ardbeg ist mit 1.000.000 Litern jährlichem Produktionsvolumen eine der kleinsten Destillerien Schottlands. Inzwischen gehört sie dem Luxuskonzern LVMH was das Marketing wahrscheinlich extrem gepusht hat. Es werden wie bei Apple Begehrlichkeiten geweckt: jedes Jahr erscheint eine neue Abfüllung mit einem vielversprechendem Namen, geringer Auflage und hohem Preis. Das beworbene Produkt muss aber noch nicht mal besser sein als die Konkurrenz, die Anhänger werden trotzdem in Scharen mobilisiert.

Die neuen Abfüllungen haben einfach ein anderes Design, Namen und Hintergrundgeschichte. 2012 bezog sich die Edition auf ein wissenschaftliches(?) Experiment: da wurden von Ardbeg ein Schluck Whisky und Holzfass in den Weltraum hochgeschickt um deren Alterungsverhalten in der Schwerelosigkeit zu testen.

Sinnlos? Nicht so sinnlos wie anschließend einen unterdurchschnittlichen [1] Whisky rauszubringen, der Galileo heißt, eine sehr hübsche Packung hat (mit Laika, wie süß!) und sofort fast ausverkauft war [2].

Ardbeg Galileo Logo (Foto von ardbeg.com)

Ardbeg Galileo Logo (Foto von Ardbeg)

Doch je mehr man sich mit der Marke beschäftigt und in das torfige Dunkle des Ardbeguniversums eintaucht, desto schwieriger wird es, sich dieser Macht zu entziehen.

  • Altersangaben? Scheiß drauf. Name und passende Hintergrundgeschichte drücken den Charakter eines Whiskys viel besser aus.
  • Färben? Kein Bedarf. Der Torf wird auch durchsichtig sprechen schreien.
  • Filtern und Verdünnen? Nope. Du bekommst ungebändigten Islaywhisky in Fassstärke.

Das sind meine Eindrücke, nachdem ich für meine nächste Anschaffung recherchiert (im Netz, getrunken bisher lediglich Ardbeg Ten und Galileo) und mich entschieden habe: es wird tatsächlich ein Ardbeg werden, und zwar der wilde, ungebändigte Strudel Corryvreckan und nicht das dunkle, mystische Loch Uigeadail.

Mich überzeugte auch folgende, gekürzte, geniale Rezession des Corryvreckan:

Während die Flüssigkeit sich erwärmt, sprudelt und blubbert der brodelnde Kessel, und, kommt man langsam näher, riecht man einen Topf voll kraftstrotzendem, mit Cayenne Pfeffer gewürztem Steak und Austern, erstickt in scharfer Tabascosauce, die aus einer Mischung von tomatigem Rinderfond und Shrimp jambalaya auftauchen.
Auf dem Weg nach unten, trifft man einen Mund voll von schwarzem, teerigem Espresso, der den Gaumen überzieht mit reichhaltigen, schmelzenden dunklen Früchten, schwarzen Johannisbeeren, Heidelbeeren, Kirschen und dann Bittermandeln. [Quelle]

Jetzt muss ich erstmal beim Ardbeg Committee anmelden und warten bis ENDLICH der neue Ardbeg Ardbog kommt. DEN BRAUCH ICH UNBEDINGT!!!!!!!!!!!!!! (der hat so ein lustiges Mammut auf der Verpackung!)

Ardbeg Ardbog (Foto von http://www.ardbeg-whisky.ch/ardblog/)

Ardbeg Ardbog (Foto von Ardblog)

[1] siehe Bewertungen auf Whiskybase

[2] 36 Flaschen innerhalb von zwei Tagen bei meinem lokalen Händler. Die Restbestände erhält man jetzt im Netz für 140 bis 200 Euro pro Flasche.